Mein 90. Geburtstag

Mein 90. Geburtstag (nur ein Gedankenspiel?)

Was ich dann zu sagen hätte

Liebe Gäste,

ein Glück, dass ich noch so wohl auf sein darf und zu Ihnen, zu Euch, sprechen kann. Mein ganzes Leben war ein Auf und Ab und oft war ich der Verzweiflung nahe, weil es keinen inneren Frieden für mich zu geben schien. Ich wollte Reisen, und zwar schon immer, mein Geld frei verdienen und dennoch den Menschen ein Wegweiser, ein Begleiter sein. Kurzum, mein Leben frei gestalteten – so wie ich es wollte.

Ich liebe Farben, das Lachen der Menschen, unsere Natur, Tiere und die Wahrheit. Und ich sehe, wie schwer sich Menschen damit tun, Veränderungen und Entscheidungen in ihrem Leben herbeizuführen, die dringend notwendig sind. Die Reden, die ich in meinem Leben gehalten habe und die Seminare, die ich gegeben habe, haben hoffentlich dazu beigetragen, dem einen oder anderen ein Stückchen auf seinem Weg weiterzubringen. Frei sein, gehen wohin ich will und so viel Geld in der Tasche zu haben, dass ich mir keine Sorgen zu machen brauche. Irgendwann war mir mein Job zu eng geworden. Es dauerte sehr lange bis ich mich von der Sicherheit lösen konnte, die mir diese Beschäftigung versprach. Ich haderte und fühlte mich gefangen. Zuerst verkürzte ich meine Arbeitszeit und hatte einen Tag in der Woche frei. Doch meine Träume und Wünsche blieben nach wie vor auf der Strecke. Außerdem war da noch diese Sehnsucht, dieses Drängen in mir drin, das mir keine Ruhe ließ. Ich wollte raus, nur noch raus! Also kündigte ich nach 37 Jahren endlich meine Arbeit und ging ins Ungewisse mit der Hoffnung, dass ich zur rechten Zeit Hilfe und Führung aus dem Universum bekommen würde. Ich war damals 53 Jahre alt und hatte außer einer kleinen Lebensversicherung kein finanzielles Polster, außerdem war ich alleine ohne Partner. Mir war zudem klar, dass all meine gescheiterten Versuche, eine Partnerschaft einzugehen, damit zusammenhingen, dass ich meinen Weg noch nicht gefunden hatte. „Loslassen, alles was du nicht mehr brauchst und nicht mehr zu dir passt, loslassen – erst dann kann etwas Neues in dein Leben kommen“, diese Worte waren alles, was ich hatte. Und ich sprang! Tausend Steine fielen von meinem Herzen, weil ich spürte, dass ich endlich auf meinem Weg war. Schon damals habe ich mich mit dem schamanischen Weltbild beschäftigt und es als Teil meines Weges betrachtet. Die Dinge hinter den Dingen sehen und immer das Große und Ganze in alle Geschehnisse mit einzubeziehen, das faszinierte mich. Schreiben, Reisen, Heilen auf der Seelenebene – ja, so könnte man meine 3 größten Leidenschaften auf einen Punkt bringen. Ich begann schamanische Abende zu geben, Vorträge zu halten, Texte zu schreiben. Ich wollte Reisen und Schreiben und gleichzeitig den Menschen Wissen und Weisheit zur Verfügung stellen. Bewegung, unterwegs sein in der Welt, fremde Kulturen und verstehen, das Warum, das Was und das Wie!

Heute stehe ich vor Euch und kann auf einen Lebensabschnitt voller Abenteuer zurückblicken. Ich habe die ganze Welt bereist, Bücher und unzählige Artikel geschrieben und Menschen dabei geholfen, ihre großen Ängste loszuwerden, die sie am wirklichen Leben gehindert haben. Bei mir hat es selbst lange gedauert bis ich an diesem Punkt war und mich geschlagen gegeben habe. Kontrolle zu haben, ist gut, aber Freiheit zu leben, ist besser! Heute weiß ich, dass Angst lähmt, lähmt, das wahre Potential zu leben. Die Rente, die Krankenversicherung, das schicke Auto, das eigene Haus, all das sind wunderbare Dinge, lassen aber unsere Fantasie und Kreativität im Nebel verschwimmen. Heute bin ich 90 und das Leben hat mir noch fast 40 Jahre wunderbare Freiheit geschenkt. Sagen, was ist, mit der Heuchelei aufhören, sich selbst zu lieben beginnen, das ist die Magie, die auf den rechten Weg führt. Ich habe hier und dort gelebt, bin gerne in meine fränkische Heimat zurückgekommen, bin aber auch gerne wieder gegangen. Wenn ein Leben zur Routine wird, fehlt die Spannung. Das ist wie in einer Beziehung. Liebe lebt nicht von Mäßigkeit sondern von Anziehung, also von der Polarität. Geschichten, die das Leben schreibt und die Botschaften aus der Natur, all das lässt sich in verständliche Worte fassen. So manche Nacht habe ich in einem Hotelzimmer verbracht und das zu Papier gebracht, was ich tagsüber erlebt habe. Die Botschaften waren immer da, ich musste nur mein Herz öffnen für die feine Stimme in mir und die leisen Stimmen um mich herum.

Leben ist Veränderung, das habe auch ich schmerzhaft lernen müssen und dennoch würde ich heute jedem raten, so viele Veränderungen wie möglich in seinem Leben zu vollziehen, und zwar freiwillig. Ein Kampf gegen das Karma ist zwecklos, dein Lebensplan erreicht dich doch, auch wenn du dich noch so dagegen wehrst. Die Einfachheit besteht im Annehmen und in der Hingabe. Und ganz ehrlich, jeder von uns hat immer deutlich gespürt, wenn es an der Zeit war loszulassen, nur haben wir uns zu oft und vor allen Dingen zu lange geweigert. Zu schön war es in der Komfortzone, in der sogenannten Sicherheit – und wie träge und unspektakulär sind die Tage vergangen während da draußen, außerhalb der eigenen Grenzen, das Leben regelrecht boomte. Sehnsüchtig habe ich hinausgeschaut, Jahr für Jahr – Frühling, Sommer, Herbst und Winter waren gescheiter als ich, sie wechselten in Harmonie im Sturm der Gezeiten. In diesem Leben gibt es kein Ziel, es geht ums Weiterkommen, ums Lernen! Es geht darum, den Ruf der Seele zu hören und ihm zu folgen, bedingungslos! So oft auch unser Verstand dagegen ist, der Ruf hört nicht auf, solange bis du ihn eines Tages nicht mehr ignorieren oder nach hinten schieben kannst. Du stellst fest, du bist nicht das nette, folgsame Mädchen, das du zu sein vorgegeben hast oder der anständige Bub, der auf Papa hört. Du hast es nicht nur vorgegeben, du hast es sogar selbst geglaubt! Dir wird plötzlich klar, wie wenig dich deine Rente und die vermeintliche Sicherheit interessieren im Angesicht dessen, dass dein Leben endlich ist, du aber nicht gelebt hast. Es ist wie eine Art Panik, die aufkommt, wenn du das erkennst. Du bist nie mit den Delfinen geschwommen und hast dich in die Mitte des Stroms begeben, du hast stets das sichere Ufer gesucht, auch wenn es nicht der Strand war, an dem du ach so gerne gewesen wärst. Was sagen denn die Leute? Die Nachbarn? Die Kollegen? Deine Familie? Wenn du nicht mehr angepasst lebst und plötzlich tust, was keiner je von dir erwartet hätte? Im Grunde sind wir wild und im Herzen frei! Nur unsere Gesellschaft lässt solch ein Wildwachstum nur ungern zu und so verstecken sich die meisten Freigeister in der Kunst, in der Philosophie oder in der Literatur. Wer sich ein Leben lang verbiegt, wird irgendwann krank! Die wahren Antworten finden wir nur in uns selber. Jeder Mensch hat seine eigene Wahrheit, nach der er suchen muss. Nichts von dem, was den einen glücklich macht, muss dieselbe Bedeutung für einen anderen haben. Menschen sind so unterschiedlich und doch sind wir alle gleich.

Kommunikation ist das A und O, wir Menschen haben eine Sprache. Vorzugeben, was nicht ist oder was man nicht fühlt, ist nicht förderlich und zieht eine lange Kette von Verwirrungen und Verirrungen nach sich. So bringen wir uns selbst um das Paradies! Mit jeder Unwahrheit verlassen wir unsere Mitte und geben vor, was wir nicht sind und auch nie sein werden. Was hilft ein Treueversprechen, wenn Mann oder Frau es tagtäglich bereits in Gedanken brechen? Das ist unechte Treue, die niemanden weiterbringt. Treue ist eine Lebenseinstellung, die keiner dogmatischen Verpflichtung untersteht, sondern aus dem Herzen kommt. Doch die immer noch schlimmste Kommunikation betreiben wir mit uns selbst. Wir nehmen uns nicht ernst, hören nicht auf unsere Gefühle, missachten die Zeichen unseres Körpers, tadeln uns ständig und übertönen unsere innere Stimme mit dem Lärm, der von Außen auf uns einwirkt. Der Lärm scheint bequemer! Er ist die als sorglos getarnte Musik in unseren Ohren! Herauskommen Marionetten, die an Fäden hängen und auf Knopfdruck funktionieren. Klar, wer aussteigen will, schwimmt gegen den Strom, jedoch nicht gegen seinen eigenen Lebensstrom sondern gegen den Strom der Gesellschaft.

In all den vielen Jahren, in denen ich die Welt bereiste, war ich auch in Ecuador und Peru. Die Schönheit der Natur dort ist atemberaubend. Ja, in der Tat, ich habe vergessen, zu atmen. Was bedeutet der Begriff „lebenswert“? Manch einem mag es befremdlich erscheinen, wie kärglich ein Leben sein kann und doch wunderschön. Die Dualität scheint sich aufzulösen in der Abendstimmung der mächtigen Anden und im Sog des riesigen Amazonasgebietes. Die Einheit ist unweigerlich spürbar, sonst könnte kein Mensch hier überleben. Das geht nur im Gleichklang mit der Natur. Leben in solchen Extremen ist möglich, in der Arktis, in der Wüste, im Regenwald, aber nur im Einklang mit den Eigenheiten unserer Erde.

Oft brauchen Dinge ihre Zeit, aber manchmal ist es auch an der Zeit, eine radikale Veränderung vorzunehmen und sich komplett neu auf Kurs zu bringen. Nicht selten werden wir geschubst, auch unsanft, wenn wir uns nicht selbst auf den Weg machen und das kann sehr wehtun. Verantwortung für sich zu übernehmen, ist zuweilen eine harte Lektion, denn Neuland ist die große Unbekannte in dem Spiel. Unterstützung bekommen wir, denn „jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ (Hermann Hesse), doch diese Kräfte stehen uns erst dann zur Seite, wenn wir unseren Entschluss gefasst haben und auf dem Weg sind.

Ja, ich kann sagen, ich habe gelebt. Ich habe getanzt, gelacht, geweint, geträumt, geliebt und staunend ein wenig vom Mysterium des Lebens mitbekommen. Zuhause bin ich überall dort wo mein Herz mich hinträgt und im Zauber der Schöpfung aufgeht. „Kindermund tut Wahrheit kund“, daran muss ich jetzt gerade denken. Unsere Kinderträume sind unsere wahren Wünsche, auch wenn die Erwachsenen nicht gerade begeistert sind und uns, heute wie damals, von diesen Hirngespinsten abbringen wollen. Dabei entspringen diese Gedanken gar nicht den Köpfen, sondern quellen aus dem tiefsten Inneren, aus der Seele. Und so kommt es, dass wir Großen uns irgendwann einmal verloren haben und brav im Hamsterrad treten, anstatt eigensinnig unseren einzigartigen Weg zu gehen. Ich musste mich erst selber finden. Die berühmte Frage: „Wer bin ich?“, ist die einzige Frage, die man sich beantworten muss. Warum bin ich hier und was ist meine Bestimmung? Wir bleiben eben nicht immer das kleine Mädchen oder der kleine Bub, wir werden groß und stark. Keiner kann uns Vorschriften machen und uns sagen, was wir zu tun und zu lassen haben und doch sind wir die Bevormundung dann schon so sehr gewohnt, dass wir uns dessen fast nicht mehr bewusst sind. Unsere Reflexion und die Spiegel, die uns andere Menschen setzen, sind unsere Wegweiser. Wir sehen nur das, was etwas mit uns zu tun hat. Alle anderen Möglichkeiten, Verhaltensweisen und Reaktionen bleiben uns verborgen. So lange bis sich in uns ein neues Fensterchen der Erkenntnis öffnet und den alten Schatten mit Licht erleuchtet. Dann geschieht ein Wunder, das mit anderen Menschen und neuen und gesünderen Situationen daherkommt.

Angst ist das Hemmnis Nummer eins! Wir Menschen wollen geliebt und wertgeschätzt werden. Wir müssen essen, trinken und brauchen ein Dach über den Kopf. Nein, es ist nicht mehr so wie früher im Busch, dass jeder zum Jagen gehen und sein Lager aufschlagen kann, wo immer es ihm beliebt. Unsere Welt ist längst aufgeteilt. Die Großen und Mächtigen haben sich die schönsten und reichsten Flächen ausgesucht und beanspruchen unsere Mutter Erde für sich. Wir sind moderne Sklaven, die sich am besten ohne Worte in das bestehende System einfügen sollen. Das heißt, wir sind gezwungen einem Beruf nachzugehen, auch wenn er uns nicht gefällt und uns wird zeitlebens eingeredet, dass das nun mal so ist. Und tatsächlich, die meisten Menschen würden nicht auf die Idee kommen, dass sie damit ein selbst bestimmtes Leben weitestgehend aufgeben. Konsum und Werbung tun das Ihrige, um uns in Schach und bei Laune zu halten. Außerdem, das Geschäft mit der Angst boomt und wird auch noch gehörig seitens der Politik und der Wirtschaft geschürt. Damit wird unsere Anbindung an den göttlichen Funken endgültig gekappt und die Fäden der besagten Marionette können manipuliert und gezogen werden.

Der „kleine Keim“, namens „Sehnsucht“ allerdings, gibt keine Ruhe. Unaufhörlich erscheint er in unseren Träumen und macht sich bemerkbar. Er ist der Unruhestifter, der uns aus der Komfortzone locken will. So oft wir ihn auch ignorieren, er klopft stets aufs Neue an. Warum wir in dieser komfortablen Lebenslage vielleicht trotzdem nicht zufrieden sind, liegt an ihm. Er will uns an etwas erinnern, was wir schon lange in den Keller gesperrt haben, an den Sinn unseres Lebens. Und ob wir es wollen oder nicht, es ist besser loszugehen, bevor das Leben uns zwingt. Die Schöpfung ist klug, sie hat ihre Mittel und Wege, uns auf die eigentliche Spur zu bringen. Krankheiten, Schicksalsschläge, Unfälle, das alles sind wichtige Hinweise, die sich manifestieren können, um uns für unsere eigene Wahrheit zu öffnen. Erst dann geschieht Heilung, Heilung im ganzheitlichen Sinne.

Es gibt nur einen Weg, das ist der Deine!

http://www.texte-lounge.de

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