Tu`, was du liebst – ein spirituelles Essay

Ich liebe es, zu reisen, aber wie kann ich damit Geld verdienen? Ich liebe es, zu schreiben, aber kann ich so meinen Lebensunterhalt verdienen? Ich liebe es, frei zu sein, aber wer bezahlt dafür?

Tu was du liebdst

Tu, was du liebst – ein wunderbarer Gedanke!

Warum harren dann so viele Menschen in ungeliebten Jobs aus?

Diese Menschen haben sicher auch eine Tätigkeit, die sie sehr lieben, verdienen aber kein Geld damit. Was, wenn der Just-for-the-Money-Job viel Zeit kostet, aber nicht erfüllend ist? Ist das nicht Lebensverschwendung?

Tu, was du liebst, wer sagt das?

Sind wir alle nicht auf der Spur, wir alle, die wir von dem, was wir gerne tun, nicht unseren Lebensunterhalt bestreiten können? Machen wir etwas falsch? Oder ist es schlicht und ergreifend einfach so, dass das so nicht in unserem Lebensprogramm vorgesehen ist? Ich weiß nicht, wie viele es sind, die mit dem, was sie wirklich lieben ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Nehmen wir das Schreiben als Beispiel. Unzählige Menschen schreiben, bloggen, texten! Es sind so viele, dass „Text“ billig geworden ist. Für diejenigen, die davon leben müssen, bleibt der Preis der Arbeit weit unter Wert. Schreiben all die Schreiberlinge diese Billigaufträge jedoch nicht, dann fehlen ihnen Aufträge und natürlich Geld. Andersherum gefragt, wo sind all die Auftraggeber, die gutes Geld für gute Arbeit bezahlen? Tatsache ist, warum sollten sie das tun? Sie bekommen heute ebenso gute, aber weitaus billigere Texte.

Hängt der Wert der Arbeit wirklich noch mit dem Wert des Menschen zusammen?

Ich denke, das ganze System ist verschoben. Die „Geiz-ist-geil-Mentalität“ macht nirgendwo halt und ja, ich kann es zum Teil auch noch verstehen. Jeder muss sehen, wo er bleibt und wie er seine Tantiemen zusammenhält. Hängt der Wert der Arbeit wirklich noch mit dem Wert des Menschen zusammen? Oder hat er sich schon verselbstständigt?

Hilft die ganze Sinnsuche nach der Berufung wirklich? Heißt es einfach dranzubleiben und solange im ungeliebten Job durchzuhalten, bis man sie gefunden hat und von ihr leben kann? Wie ist das mit den Ehrenämtern? Viele sinnvolle Systeme würden nicht funktionieren, gäbe es nicht jede Menge Menschen, die einen Job in einem Ehrenamt ausüben. Sie geben also ihre Zeit und in bestimmter Form sogar Geld, beispielsweise um jemanden von A nach B zufahren, ohne dafür bezahlt zu werden. Davon ausgehend, dass sie das Amt lieben, das sie begleiten, hätten sie ja auch eine gute Bezahlung verdient, oder etwa nicht? Vielleicht tun diese Menschen diese Arbeit, weil sie in ihrem Beruf nicht die Erfüllung finden, die sie brauchen? Wäre doch ein satter Grund mehr, die Ehrenämter in eine lukrative Einnahmequelle umzugestalten, oder? Doch wer sollte jetzt da wieder Interesse daran haben? Vermutlich wenige, weil wieso bezahlen, wenn es Menschen gibt, die das auch gerne umsonst machen. Oder fällt das Ganze unter die Rubrik „Hamsterrad“, weil es schon immer so war und weil wir uns so als bessere Menschen fühlen?

Freilich werden jetzt viele denken: „Es zählen ja auch ideelle Werte“ oder „ein Danke ist ja auch was Schönes“! Das stimmt und ist keinesfalls abzuwerten, aber wäre die Menschheit anders nicht viel glücklicher, wenn der Sportwart auf dem Platz oder die Frau, die den Kindern Märchen vorliest, entsprechend entlohnt werden würden?

Dann hätten wir vielleicht genau die glückliche Gesellschaft, die dieses „Tu`-was-du-liebst-Prinzip“ leben kann und ihr Auskommen hätte?

Aber was wäre dann mit all den Unternehmern, die plötzlich keine Arbeiter und Angestellten mehr hätten? Kann sein, dass wir all den Klamauk, der dort hergestellt wird gar nicht mehr brauchen würden, wenn wir ohnehin total erfüllt wären? Würde uns dann vielleicht endlich auffallen, wie viel unnützes Zeugs, ja, Müll wir produzieren? Zu essen hätten wir immer, weil es sicher mehr als genug Menschen gäbe, die gerne gärteln und draußen im Grünen arbeiten. Um die Landwirtschaft würde ich mir keine Sorgen machen, sie würde wohl als Letztes untergehen! Ja, und was würden dann all die Unternehmer tun, die die Pforten ihrer Firmen schließen müssten? Wahrscheinlich würden sie das tun, was sie lieben, nämlich Unternehmer sein – nur mit dem Unterschied, dass sie jetzt bereit wären gutes Geld für gute Arbeit zu zahlen und auch nur das zu produzieren, was einer höchst zufriedenen Gesellschaft noch echte Freude bereiten würde. Am schlimmsten würde es all die Politiker und Funktionäre treffen, müssten sie doch gehörige Abstriche machen und überhaupt, was würden denn diese Herrschaften tun? Bestimmt haben auch sie irgendetwas, was sie zu tun lieben. Das Regieren könnten sie sich sparen, weil sich eine durch und durch zufriedene Gesellschaft selbst managt. Ihr mangelt es an nichts und so braucht es diesen aufgeblähten Staatsapparat auch nicht. So ist das nun mal im Paradies!

Hmm, mein Fazit – ich mache auf alle Fälle weiter mit dem, was ich liebe zu tun. Vielleicht ändert sich ja dieses gesellschaftliche Gefüge ohnehin über kurz oder lang, immerhin leben wir in Zeiten, in denen alles höher und höher schwingt.

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